Historischer Überblick

Das Forschungszentrum Weihenstephan selbst kann auf ein mittlerweile über 130jähriges Bestehen zurückblicken. Seine Gründung erfolgte im Jahre 1885 durch Prof. Dr. Hans Vogel in Memmingen als „vom kgl. bayer. Staate subventionierte“ Brautechnische Untersuchungsanstalt, die anfangs mit der Brauerschule von Direktor Leyser in Augsburg zusammenarbeitete. Die Gesamtzahl der Mitgliedsbetriebe betrug im Jahre 1890 bereits 500 Brauereien, wobei in diesem Jahr schon 1400 Untersuchungen, 557 Konsultationen, 200 Betriebskontrollen und 16 Vorträge durchgeführt wurden. Die erstmals im Jahr 1887 von der Anstalt herausgegebene Zeitschrift „Klein- und Mittelbrauer“ erfreute sich mit ihren aktuellen Themen großer Beliebtheit. Im September 1892 wurde laut Beschluss des Bayerischen Landtags die Anstalt unter Leitung von Prof. Dr. Hans Vogel nach Weihenstephan verlegt. Der Aufschwung der Anstalt um die Jahrhundertwende ist am besten daraus ersichtlich, dass im Jahr 1913 neben 250 Betriebskontrollen die Anzahl der Untersuchungen bereits auf 12.000 angewachsen war. Außer dem Vorstand gehörten der Anstalt damals an: ein Laboratoriumsvorstand, vier Betriebskontrolleure, elf Assistenten, ein Inspektor, vier Laboranten, drei kaufmännische Angestellte und drei Labordiener.

Nach dem Ersten Weltkrieg, die Leitung der Anstalt oblag Prof. Dr. Hans Schnegg, wurde dann der damalige Betriebskontrolleur, Herr Josef Ernst, zum Direktor der Anstalt ernannt. Seine unermüdliche Schaffensfreude verhalf der Anstalt zu einer neuen Blütezeit. Durch zahlreiche Betriebskontrollen, Lehrgänge, Vorträge und Untersuchungen entwickelte sich die Anstalt zur größten Institution ihrer Art im In- und Ausland. Bei rund 500 Betriebskontrollen stieg die Anzahl der Untersuchungen während seiner Amtszeit auf über 20.000  jährlich an.

Die Rückschläge des Zweiten Weltkrieges waren bald überwunden, so dass sich die Anstalt auch weiterhin zum Wohle der Brauereien einsetzen konnte.

Im Jahre 1952 trat Direktor Josef Ernst in den Ruhestand, Nachfolger wurde Dr. Josef Gloetzl. Zum Laboratoriumsvorstand wurde Dr. Bernhard Mändl ernannt. Von diesem Zeitpunkt an erfolgte eine noch engere Verknüpfung der Anstalt mit der Fakultät für Brauwesen der damaligen Technischen Hochschule in Weihenstephan. Prof. Dr. Franz Weinfurtner, Inhaber des Lehrstuhls für Technische Mikrobiologie und Technologie der Brauerei, wurde zum Vorstand der  Anstalt ernannt. Durch die damit wiederhergestellte engste Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis erlangte die Anstalt weiteren Weltruf.

Prof. Dr. Weinfurtner setzte neben seiner starken Beanspruchung durch den Lehrstuhl und seines Institutes seine ganze Kraft auch in den Dienst der Anstalt und damit des Braugewerbes. In zielbewusster Zusammenarbeit mit den leitenden Beamten, Angestellten und Betriebsangehörigen führte er die Anstalt zu weiterem Ansehen. Unter seiner Leitung wurde die Anstalt auch seitens der Einrichtung und Ausstattung den neuzeitlichen und wissenschaftlichen Erfordernissen angeglichen. Der Erfolg und weiterer Aufschwung spiegelten sich neben dem weltweiten Bekanntheitsgrad auch im Anstieg der Untersuchungsaufträge wider, die inzwischen auf jährlich rund 40.000 angewachsen sind.

Im Jahre 1968 übernahm Prof. Dr. Mändl die damalige Prüf- und Versuchsanstalt, der gleichzeitig den Lehrstuhl Technologie II der Brauerei innehatte. Er war bekannt als exzellenter Praktiker und Verkoster. In seine Zeit fiel auch der Beginn der ersten DLG-Prüfungen von Bieren in Zusammenarbeit mit der VLB Berlin.

1980 folgte ihm Prof. Dr. Siegfried Donhauser als Vorstand der Prüf- und Versuchsanstalt, der auch gleichzeitig Inhaber des Lehrstuhls Technologie II der Brauerei war. Sein Verdienst war es, moderne Prüfverfahren wie z. B. immunologische Analysenmethoden einzuführen.

1995 wurde die Brautechnische Prüf- und Versuchsanstalt vom Lehrstuhl Technologie II abgetrennt. Prof. Dr. Heinz Miedaner übernahm zu diesem Zeitpunkt die Leitung der Brautechnischen Prüf- und Versuchsanstalt. Als Vorsitzender der MEBAK konnte Prof. Miedaner das internationale Ansehen der Brautechnischen Prüf- und Versuchsanstalt weiter erhöhen. Auch die Vorlesung „Internationale Braumethoden“, die von Prof. Miedaner gehalten wurde, unterstreicht die internationale Ausrichtung der damaligen Brautechnischen Prüf- und Versuchsanstalt.

Im Jahre 2004 übernahm Prof. Harun Parlar die Brautechnische Prüf- und Versuchsanstalt. Unter seiner Leitung erhielt sie den Namen „Forschungszentrum Weihenstephan für Brau- und Lebensmitteltechnologie“. Sein Verdienst war es auch, den Weg zu bereiten für eine stärkere Ausrichtung des Institutes hin zu mehr wissenschaftlichen Arbeiten. In seiner Zeit stiegen die Anzahl der Vorträge und wissenschaftlichen Veröffentlichungen deutlich an. Nach seiner Pensionierung übernahm 2012 Prof. Dr. Fritz Jacob das Forschungszentrum, der bereits seit 2004 die technische Leitung innehatte.